Donnersack! 

Viel zu nass und zu kalt draußen, um mal wieder unserer kindlich-jugendhaften Leidenschaft eines Feuerchens am Altrheinufer Spaß zu haben!

Die Kälte war es wohl nicht alleine, was unserem Drang nach einem kleinen Lagerfeuer abgehalten hatte; schließlich hatten wir auch im Winter bei Schnee, den es damals noch regelmäßig zwischen November und Februar gab, dank dem findigen kleinen Hufi es immer wieder geschafft, nicht nur zu zündeln, sondern sogar richtiges Feuer zu entfachen!

Aber irgendwie hatten wir an diesem Tag keine Lust, den Weg zum Altrhein zu gehen; deswegen beschlossen wir, eine neue Variante zu erfinden.

Wir: Das waren zwei Jungs im Alter von etwa acht Jahren; dazu ein Mädel im gleichen Alter, das für uns kein Mädel war, sondern ein echter Kumpel, der zu jedem Streich und zu jedem Blödsinn bereit war, den wir zu dieser Zeit haufenweise ausgeheckt hatten!

Nur eines von vielen Abenteuern, die unsere gemeinsame Kindheit auf besondere Weise gestalten hatten, wird hier beschrieben:

Kirsten, Hubert und Norbert beschlossen also, dass es Zeit wäre für etwas, das wir in dieser oder ähnlicher Form noch nicht ausprobiert hatten: Ist es möglich, statt am Altrhein noch woanders ein kleines Feuerchen zu entfachen?

Wir hatten schon oft in den Kellern dieses Hauses Verstecken gespielt: Es war einfach herrlich, dass jemand, der von draußen aus dem Licht kam, sich in der Dunkelheit nicht zurecht finden konnte und quasi blindlings in die beiden Kellergänge tappte; ein wundervolles Gefühl für beide Seiten: Der eine im Dunkeln, der schon daran gewöhnt war und es lustig fand, dass der Neuankömmling sich wie ein Hilfloser bewegte; dieser Hilflose aber fand es interessant, sich nur anhand seiner Erinnerung und einiger wenigen (erlaubten) Tastversuche an den heranzufinden, der völlig deckungslos an einem Kellerverschlag stand und sich dabei köstlich amüsierte! Wie oft musste ich den Atem anhalten, weil der Kellerpionier so nahe vor mir stand und mich doch nicht erkannte...
Und ich selbst hatte auch schon als Erforscher aus Versehen den Brustbereich von Kirsten berührt; was aber nicht tragisch war, denn dieser Bereich war zu dieser Zeit noch genau so flach wie mein eigener... Und außerdem war sie ja eh ein Kumpel wie wir zwei Burschen.

Vertraut waren wir also mit diesen Kellern, ja sogar intim! Was lag also näher, als dass wir hier ein Ausweichquartier für unsere Gier nach einem Feuerchen ausleben sollten, während es draußen in Strömen regnete?

Dazu muss noch kurz erwähnt werden, dass wir alle drei zu dieser Zeit eine regelrechte pyromanische Sucht entwickelt hatten, die schon mancherorts zu einigem Aufsehen geführt hatte... Doch das ist eine andere Geschichte.

Ich überzeugte also mit Leichtigkeit die anderen, dass es durchaus möglich ist, hier im Trockenen ein kleines Feuerchen zu machen - es muss ja kein großes sein, wie letztens auf einem brach liegenden Gelände hinter der Firma Boehringer auf dem Mannheimer Waldhof...

Elterlicher Kellerschlüssel war kein Problem, und auch das Anzünden neben dem Eierkohlenhaufen stellte für uns gewiefte kleine Feuermacher kein Hindernis dar: Holzspäne, wie man sie bei uns oben im vierten Stock für den Ofen benutzt, lagen ja genug herum!

Erst, als wir unsere Karoffeln auf das kleine Feuerchen gelegt hatten, das wir mit Eierkohlenstückchen auf erfreuliche Temperatur gebracht hatten, hörten wir einen Tumult im Treppenhaus: Donnerwetter, wer will uns hier stören? Wir machen doch gar nichts unzüchtiges!

Dummerweise war der Rauch des Feuerleins (war echt klein!) uns nicht aufgefallen, weil er durch den Kellergang ins Treppenhaus abzog und sich dort (o Wunder!) verdichtete...

Uns selbst vermisste niemand, weil wir ja auch genügend Spielmöglichkeiten im Hof des Häuserkarrees gehabt hätten, und außerdem waren wir ja noch nie so richtig aufgefallen als Lausebengels und Lausemädel. Na ja, bis auf hie oder da und dort... Aber daran dachte wohl niemand im Haus in diesem Moment.

Erst als die Feuerwehr unser Versteck stürmte ahnten wir Schlimmes... Und wir sollten Recht behalten: Die anschließende Senge für uns alle war wahrlich nicht von schlechten Eltern!
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Die Hinterteile taten uns noch lange weh; aber die Schimpfkanonaden verklangen schon lange vorher. Wir waren Abenteurer, und das wollten wir bleiben! Ungeachtet der kindlichen Naivität, die wir sowieso nicht kannten...

Es folgten noch andere Abenteuer, oder es waren schon vorher einige Verrücktheiten, - ganz gegen unseren Willen, natürlich -, passiert. Aber ich kann ja nicht meine ganze Kindheit und Jugend und das übrige Vierfünftel meines Lebens mit solchem Zeug aufarbeiten, das kein Verleger je auf den Markt bringen würde! Außer mir, auf meiner Homepage...